Die Instandsetzung der Schöpfwerke im Unterhaltungsverband Nr. 78 Osterstade-Süd geht weiter!
Neben dem Unterhaltungsverband Nr. 82 Geeste hat auch der Unterhaltungsverband Nr. 78 Osterstade-Süd als Mitgliedsverband des Kreisverbandes einen positiven Bescheid zur Grundinstandsetzung des Mündungsschöpfwerkes Aschwarden (Rechtebe) erhalten. In den letzten Jahren wurden bereits die Schöpfwerke Rade, Aschwarden, Bruch und Uthlede mit Hilfe von EU-Fördergeldern auf den aktuellen Stand der Technik gebracht.
Nun, mit neuem „Fördertopf“ KLARA (Klima, Landwirtschaft, Artenvielfalt, Regionale Akteur:innen), wurde ein Konzept mit einer Förderquote von 80 % geschaffen. Die finanzielle Beteiligung erfolgt durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds des ländlichen Raumes (ELER) sowie des Landes Niedersachsen. Die 20% Eigenleistungen sind durch den Verband (Beitragsgelder) zu finanzieren.
Neben dem Siel- und Schöpfwerk Rade zählt das Mündungsschöpfwerk Aschwarden zu den größten Bauwerken des Unterhaltungsverbandes. Es befindet sich direkt in der Sommerdeichlinie und wurde in den Jahren um 1977 errichtet. Das im Verbandsgebiet anfallende Oberflächenwasser wird überwiegend über den Vorfluter „Aschwardener Flutgraben“, der im weiteren Verlauf zum „Aschwardener Sieltief“ wird, in den „Außendeichspolder“ geleitet und schlussendlich über das Mündungsschöpfwerk Aschwarden in den rechten Seitenarm der Weser abgeführt. Ein dauerhaft funktionierender, moderner und wirtschaftlicher Pumpbetrieb ist daher eine notwendige Vorraussetzung für eine sichere Entwässerung des Verbandsgebietes.
Das Mündungsschöpfwerk entwässert einschließlich der Fläche des Sommerdeich-verbandes ein Gebiet von ca. 6.800 ha. Für diesen Zweck wurde es mit 2 Pumpen von je 6,3 = 12,6 m³/s Leistung ausgerüstet. Wegen der Lage des Mündungsschöpfwerkes weist dieses einige Besonderheiten auf. Der Maschinenflur ist wegen der Überflutungsgefahr bei Sturmfluten so hoch angelegt worden, dass die Antriebsmotoren keinen Schaden nehmen können. Daraus ist der außerordentlich hochgezogene Hochbau zu erklären.
Folgende Grundinstandsetzungsarbeiten sind zusammenfassend am Mündungsschöpfwerk Aschwarden geplant:
- Außenanlagen:
An den Außenanlagen sind umfangreiche Arbeiten vorzunehmen. Hier ist die bestehende Pflasterfläche partiell anzupassen, da diese Versackungen aufweist. Die Geländer sind mit den Jahren stark in Mitleidenschaft gezogen worden und müssen dringend ersetzt werden. Die Betonplatten im Abwurfbereich der Rechenreinigungsanlage sind schadhaft und müssen ggfs. erneuert werden. Im Eingangsbereich sind die Klinker beschädigt. Die Eingangstreppe ist komplett zu überarbeiten.
- Hochbau:
In der Pumpenkammer und dem Pumpenkeller sind Sanierungen des Betons aufgrund eindringendem Wasser und Rissbildung erforderlich. Im Außenbereich der Fassade zeigen sich deutlich Risse. Es ist davon auszugehen, dass auch die dahinter verborgenen Maueranker bzw. Luftschichtanker korrodiert sind. Die Fenster sind stark angegriffen; die Scheiben sind undicht und beschlagen. Erneuert werden müssen auch das Rolltor, die Eingangstür und im Besonderen die Trafotüren, die mit einer angenommen Hochwasserlinie von + 7,00 mNHN keinen ausreichenden Schutz vor zukünftigen Sturmflutereignissen mehr bieten.
- Pumpentechnik:
Für diesen Bereich ist es erforderlich, dass die Pumpen des Typs MAN aus dem Jahr 1976 überholt werden. Fettgeschmierte Lager und Flügelradverstellung sind zu überprüfen und zu überholen, so dass nach der Pumpensanierung einschl. Lagertausch der Betrieb auf mediengeschmierte Lager umgestellt werden kann. Ein Rückbau der Flügelradverstellung ist notwendig. Von einer Leistungssteigerung der Pumpen wird zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgegangen. Es ist in der Grundinstandsetzung vorgesehen, die Rückschlagklappen (Jalousieklappen) und Flügelklappen mit instandzusetzen. Die elektrischen Antriebe der Flügelklappen sind auszutauschen und neu anzuschließen. Nunmehr ist ein drehzahlgeregelter Betrieb durch den Austausch der Motoren geplant. Die jetzigen Motoren stammen ebenfalls aus dem Jahr 1976. Die Versorgung wird mittels Frequenzumrichter erfolgen, so dass das Wasser nicht mehr schlagartig abgeführt wird, sondern nach Möglichkeit kontinuierlich.
- Elektroversorgung:
Die Elektroversorgung wird pro Pumpe über einen 20-kV-Trafo mit je 630 kVA (525 V) sowie einen Trafo für die Hauselektrik mit 50 kVA (400 V) sichergestellt. Baujahr Trafos: 1 x 1977 (630 kVA), 1 x 2019 (630 kVA) und 1 x 1976 (50 kVA). Es ist zu überprüfen, ob die Transformatoren ausgetauscht werden müssen, falls keine Eignung für den frequenzumrichtergesteuerten Betrieb festgestellt wird (z. B. aufgrund von Oberschwingungen) oder die Trafos ihre Lebensleistungsdauer überschritten haben. Die Trafostation im Außenbereich zu errichten ist aufgrund der Überschwemmungsgefahr keine Option. Der Schutz der Trafotüren, der Eingangstür, des Rolltores und der Fenster ist unbedingt notwendig. Die Modernisierung der Schaltanlage einschl. des Koppelfeldes ist vorgesehen.
- Elektro-, Mess-, Steuer- und Regeltechnik (EMSR-Technik):
Die vorhandene Pegeltechnik wurde in 2012 erneuert, mittlerweile ist jedoch das HMI (Dashboard) defekt. Dieses wird im Zuge der geplanten Modernisierung der Schaltanlage sowie den Schaltschränken u. w. erneuert. Des Weiteren ist die Installation und Anbindung der Umrichterschränke erforderlich. Der Einsatz von neuen Radarsonden ist wegen der erheblichen Verschlickung unerlässlich. Die gesamte Gebäudeinstallation ist nach VDE 100 ff. zu überprüfen und ggfs. zu sanieren. Die Heizungsanlage ist durch effizientere Geräte zu ersetzen. Ebenfalls ist die Beleuchtung im gesamten Gebäude zu modernisieren (LED).
Die Gesamtmaßnahmenkosten liegen zum jetzigen Planungsstand bei rund 2,72 Mio. €. Nach erfolgter Ausschreibung der Planungsleistungen sollen die Bauarbeiten im Frühjahr 2027 starten und bis Herbst 2028 abgeschlossen sein.